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Interaktive Veranstaltung am 29.08.2026 im Cafe Nr 5 in Berverath:Wer schreibt wo und wie Geschichte? Die Erinnerung an die Protestkultur im Rheinischen Revier braucht viele, auch eigene Orte und Wege

Menschen sitzen zusammen und schauen auf Menschen, die zu ihnen sprechen.
Noch ist das letzte Kapitel nicht vollendet. Das Jahr 2030 ist für das vorgezogene Aus der Braunkohleförderung und -verstromung in Nordrhein-Westfalen markiert. Fünf Dörfer bleiben stehen, die ursprünglich abgebaggert werden sollten. Schon heute geht es aber um die Deutungshoheit über die Regionalgeschichte der letzten Jahrzehnte. Wer hat die Macht, Geschichte zu schreiben?
Datum:
31. Aug. 2026
Von:
Thomas Hohenschue

Ausgangspunkt einer interaktiven Veranstaltung, zu der Nell-Breuning-Haus und die Initiative "Alle Dörfer bleiben" am 29. August 2026 ins Cafe Nr 5 in Berverath eingeladen hatten. Zuschnitt und Verlauf dieses Samstagsvormittags zeigten, dass die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und damit auch der Zukunft der Region an Qualität gewinnt. Gegenseitiger Respekt und konstruktives Zusammenarbeiten prägten die Beratungen, Vielfalt der Perspektiven und versammelten Akteure das Bild.

Den Ton setzte Giulia Fanton vom Landschaftsverband Rheinland. Sie engagiert sich mit Kolleginnen und Kollegen seit Jahren für eine Geschichtsschreibung, die möglichst viele Perspektiven gleichberechtigt einbezieht. Eigene Projekte wie die Ausstellung "Das Leben mit dem Loch" oder das Erzählprojekt "geSCHICHTen" zeigen den Charme und dokumentarische Qualität dieses Ansatzes. Der LVR ist zudem in die Gestaltung der drei Besucher- und Informationszentren einbezogen, die zum Rheinischen Revier errichtet werden.

Auch hier soll, soweit das im Geflecht von Trägern und anderen Interessen möglich ist, die Vielfalt von Lebenswirklichkeiten im Revier und Blickwinkeln auf das Thema Braunkohleabbau und -verstromung transportiert werden. "Die Protestkultur gehört zum kulturellen Erbe des Rheinischen Reviers", brach Guilia Fanton eine Lanze dafür, diese Kultur in die künftige Ausstellungslandschaft zu integrieren. Zugleich warb sie für eigene Orte und Wege der Zivilgesellschaft, die Geschichte des Protests mit all seinen Facetten wie Schutz von Heimat, Natur und Klima bleibend sichtbar zu machen.

Wie das gehen kann, in welchen Formen, mit welchen Aspekten, mit welchen Botschaften und welchem Impetus: reichlich Gesprächsstoff für die Workshops und eine abschließende Podiumsrunde. Dort wurde deutlich: Sichtbar zu machen, was Generationen von Engagierten in der Auseinandersetzung mit Landes-, Regional- und Bundespolitik, Bergbautreibenden, Kommunen, Polizei und anderen Akteuren geleistet, erstritten, erfahren haben, braucht vielfältige Zugänge. Niedrigschwellige Formen wie ein Widerstandswanderweg oder ein Friedhof der verschwundenen Dörfer sind relativ rasch zu realisieren.

Mehr Vorlauf benötigen komplexe und aufwändige Projekte wie eigene Treffpunkte, an denen Geschichte und Zukunft Thema sind, und Daueraustellungen. Bei der systematischen Aufarbeitung, die bislang isolierte Dokumentationen, Archive und Zeitzeugnisse zusammenführt, steht die Zivilgesellschaft eher am Anfang, machte Guilia Fanton deutlich. Ganz klar ist es hier auch eine Ressourcen- und Machtfrage, die dem zurzeit noch sperrig gegenüber steht. Erste Anträge sind gescheitert, aber die beteiligten Akteure wollen nicht aufgeben. Die Region braucht, wenn sie Frieden und Zusammenhalt will, eine ganzheitliche Geschichtsschreibung.

Eindrücke einer respektvollen und konstruktiven Beratung

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