Ferienfreizeit auf dem Schwalbenhof:Eine Woche voller Entdeckungen

Vom 24. bis 28. August wurde der Schwalbenhof in Berverath für eine Woche zum Lern-, Erlebnis- und Abenteuerspielplatz für 16 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren. Die Ferienfreizeit war zugleich eine Pilotphase für das geplante Projekt „PickUp – die Jugendfarm“, das ab 2027 auf dem Schwalbenhof starten soll.
Im Mittelpunkt der Woche standen das gemeinsame Leben und Lernen auf dem Hof, Naturerfahrungen und vor allem das eigene Ausprobieren. Die Kinder konnten Verantwortung übernehmen, Entscheidungen miteinander aushandeln und erfahren, wie sich Aufgaben gemeinsam lösen lassen. Ein fester Tagesablauf mit Morgenrunde, gemeinsamen Mahlzeiten, Freispiel und einer kurzen Abschlussreflexion gab dabei Orientierung. In wechselnden Hofgruppen übernahmen die Kinder Aufgaben wie das Versorgen der Ziegen und Pferde, das Ausführen von Hofhund Tia oder die Vorbereitung des gemeinsamen Frühstücks.
Den Schwalbenhof entdecken
Zum Auftakt erkundeten die Kinder bei bestem Sommerwetter den Schwalbenhof mit einer Hofrallye. Dabei ging es nicht nur darum, Tiere, Gebäude und Spielorte kennenzulernen. Auch Spuren der früheren landwirtschaftlichen Nutzung wurden entdeckt. Gemeinsam wurden anschließend Hofregeln erarbeitet: Wie verhalte ich mich gegenüber Tieren? Wo darf gespielt werden? Was muss im Stall, im Wald oder beim Umgang mit Werkzeug beachtet werden? Am Ende erhielten die Kinder ihren „Hofführerschein“.
Schon am ersten Tag zeigte sich, wie schnell aus vorhandenem Material eigene Ideen entstehen können. Wenige Tage zuvor hatte ein Sturm Teile der großen Trauerweide im Garten beschädigt. Äste und Zweige, die ein Baumpfleger entfernt hatte, wurden kurzerhand zum Baumaterial. Im Freispiel entstanden daraus ein großes Tipi und sogar ein Holzpferd.
Tiere, Natur und Handwerk
An den folgenden Tagen wurde gefüttert, gepflegt, beobachtet, geforscht und gestaltet. Beim Umgang mit den Pferden erfuhren die Kinder einiges über deren Verhalten und Pflege. Mit Tia ging es durch Berverath und die angrenzenden Felder. Dabei lernten die Kinder, wie ein Hund geführt wird, wie Hunde kommunizieren und welche besonderen Sinne sie besitzen.
Aber auch die kleineren Bewohner des Hofes rückten in den Blick: Regenwürmer, Ameisen, Insekten und Schwalben wurden entdeckt und beobachtet. Pflanzen, Stroh und Heu boten weitere Anlässe, sich mit dem Leben auf dem Land auseinanderzusetzen. Kreativ wurde es beim Gestalten von Steinen und Blumentöpfen und beim Pflanzen eigener Samen.
Ein besonderes handwerkliches Highlight war der Bau eigener Schaukeln. Die Kinder bohrten Löcher in Holzbretter, schliffen das Holz, längten Seile ab und gestalteten ihre Schaukel selbst. Am Ende durfte jedes Kind sein Werk mit nach Hause nehmen.
Raus in die Umgebung
Am vierten Tag führte eine Wanderung vom Hof in den Wald. Unterwegs standen Sinnesspiele und Naturbeobachtungen auf dem Programm. Die Kinder sammelten Naturmaterialien und nebenbei auch Müll, den sie auf ihrem Weg fanden. Gemeinsam wurde außerdem eine Überquerung der Niers bewältigt.
Dabei wurde die unmittelbare Umgebung selbst zum Lernort. Woher kommt die Niers? Warum sieht die Landschaft rund um Berverath so aus, wie sie heute aussieht? Und was hat der nahe Tagebau damit zu tun? Solche Fragen ergaben sich während der Woche immer wieder ganz selbstverständlich. Schon beim Erkunden des Hofes wollten Kinder wissen, was es mit dem „großen Loch mit dem Bagger“ in der Nähe auf sich hat und warum heute so wenige Menschen in Berverath leben.
Mitmachen statt nur Programm erleben
Zum Abschluss entwickelten die Kinder in Kleingruppen selbst Spiele und kleine Herausforderungen für eine gemeinsame Hof- und Wiesenolympiade. Dabei ging es nicht darum, wer gewinnt. Am Ende wurden alle Kinder für die gemeinsam verbrachte Woche ausgezeichnet und erhielten eine Medaille.
Überhaupt war Beteiligung ein wichtiger Bestandteil der Ferienfreizeit. Die Kinder übernahmen freiwillig Aufgaben, halfen bei der Essensausgabe und beim Aufräumen, entwickelten eigene Spielideen und gestalteten ihre Zeit auf dem Hof mit. Neben dem geplanten Programm blieb bewusst Raum für freies Spiel, Verkleiden, Bauen, Tiere beobachten oder einfach das gemeinsame Entdecken des Hofes.
Das gute Sommerwetter machte es möglich, einen Großteil der Woche draußen zu verbringen. Vor allem aber zeigte sich, wie gut der Schwalbenhof mit seinen Tieren, Wiesen, Werkmöglichkeiten und Freiflächen als Erfahrungsraum für Kinder funktioniert.
Die Ferienfreizeit war damit auch eine gelungene Generalprobe für „PickUp – die Jugendfarm“. Ab 2027 soll der Schwalbenhof verstärkt zu einem Ort werden, an dem Kinder und Jugendliche Natur, Nachhaltigkeit und das Leben auf dem Land praktisch erfahren und zugleich die Zukunft ihrer Region thematisieren können. Jugendbeteiligung soll dabei nicht abstrakt bleiben, sondern an konkreten Erfahrungen und Fragen ansetzen: Was bedeutet für uns gutes Leben auf dem Land? Wie sollte eine intakte Natur in Zukunft aussehen? Und wie möchten Kinder und Jugendliche eine Region mitgestalten, die sich durch den Strukturwandel grundlegend verändert?
Eine Woche, die Lust auf mehr macht
Am Ende bleibt vor allem eines: Es war eine fantastische Woche. Fünf Tage voller unterschiedlicher Lernerfahrungen, neuer Entdeckungen, gemeinsamer Erlebnisse und natürlich jeder Menge Freude, Spiel und Spaß. Ein großes Dankeschön geht an die tollen Kinder, die sich mit viel Neugier und eigenen Ideen auf die Woche eingelassen haben, und an ihre Eltern für das entgegengebrachte Vertrauen.
Ebenso herzlich danken wir dem gesamten Betreuerinnen-Team und allen Kolleginnen und Kollegen aus dem Nell-Breuning-Haus, die die Ferienfreizeit unterstützt haben, ob in der Küche, in der Verwaltung oder an anderer Stelle. Ein besonderer Dank gilt unserem Chef, der es sich nicht nehmen ließ, das Mittagessen regelmäßig persönlich aus dem NBH nach Berverath zu bringen.
Die Woche hat gezeigt, wie viel auf dem Schwalbenhof möglich ist. Und sie hat bei allen Beteiligten vor allem eines geweckt: große Lust auf eine Fortsetzung.