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Berichterstattung:Die Verkehrswende lässt sich kurzfristig eher auf kommunaler Ebene gestalten

RevierDialog 7 21.02.2024
Die großen Infrastrukturprojekte brauchen viel Zeit und Geld. Bei der neuesten Ausgabe der RevierDialoge gaben zwei Fachleute von go.Rheinland Einblick in die Planungen bis 2040
Datum:
21. Feb. 2024
Von:
Berichterstattung Thomas Hohenschue

Wie sieht die Mobilität im Rheinischen Revier morgen aus? Es gibt Menschen, die sich darüber von Berufs wegen täglich Gedanken machen. Wie Bianca Achilles und Philipp Nögl-Verroul vom Zweckverband go.Rheinland. Sie sind mittendrin in den Befragungen, Erhebungen, Verhandlungen und Planungen, die allen Projekten im öffentlichen Personennahverkehr vorangehen. Ihre Hartnäckigkeit und Professionalität führen zu Ergebnissen in einer unübersichtlichen Gemengelage der Interessen, Bedarfe und juristischen Einwände.

Bei der neuesten Ausgabe der RevierDialoge am 21. Februar 2024, diesmal im Jülicher Kulturbahnhof, gaben die beiden Fachleute von go.Rheinland einen reichen Einblick in die aktuellen Planungen bis 2040. Die großen Infrastrukturprojekte betreffen die Versorgung der Bevölkerung mit leistungsfähigen Zugverbindungen. Überlastete Linien werden ertüchtigt, alte Strecken reaktiviert, Lücken geschlossen. Elektrifizierung von Linien, um von Dieselloks wegzukommen, gehört ebenso dazu wie die Aufwertung von Bahnhöfen und die Modernisierung der Leit- und Sicherungstechnik.

Kurzfristig wird sich wenig an der desolaten Situation verbessern, dafür sind die Probleme der Bahnunternehmen wie Sanierungs- und Investitionsstau, Personalmangel und Unterfinanzierung zu groß. Es fehlt außerdem auf höherer Ebene der politische Wille, erheblich und auf Dauer in den schienengebundenen öffentlichen Nahverkehr zu investieren. So gibt es wenig Planungssicherheit, was auch für die praktische Ausschreibung und Ausführung fertiger Planungen sehr nachteilhaft ist.

Im offenen, ehrlichen Austausch mit Gästen des RevierDialogs in Jülich stellten Bianca Achilles und Philipp Nögl-Verroul der kommunalen und regionalen Politik im Rheinischen Revier ein gutes Zeugnis aus. Auch hier werde hart in der Sache gerungen, aber die gemeinsam gefundenen Kompromisse würden dann auch gemeinsam getragen und hätten Bestand. Auf kommunaler Ebene spüre man vielerorts das Bemühen, eine Verkehrswende zu Gunsten von Klimaschutz, Gesundheit und Lebensqualität zu gestalten.

Entsprechend erleben die Fachleute des Zweckverbands im Revier Kommunen, die mit innovativen Modellprojekten vorangehen. Das gilt für Bereiche wie intelligentes Park & Ride, On-Demand-Shuttles und wetterfeste, sichere Fahrradboxen. Die Vernetzung der verschiedenen Formen der Mobilität ist das Rezept, mit dem go.Rheinland die Menschen einfach, schnell und bequem von A nach B reisen lassen will. Planerisch setzt man da auf kombinierte Verkehrsknotenpunkte, so genannte Mobilstationen.

Als zwingend erforderliche Basis braucht es eine durchlässige digitale Vernetzung aller Verkehrsangebote und Verkehrsanbieter. Auch hier steckt, wie bei der Planung von Bahnbaustellen, der Teufel im Detail. Hinzu kommen grundsätzliche Bedenken, ob alle Bevölkerungsgruppen mit smarten internetgestützten Diensten zurechtkommen. Da konnten die Fachleute auf Erfahrungen verweisen, die mit Hotlines gemacht wurden. Bis die Modellprojekte abgeschlossen sind, geht allerdings noch einige Zeit ins Land.