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Nachbericht:Wasserwissen Teil 2

Mehrere Personen sitzen in einem Raum und hören einem Vortrag vor einer Leinwand mit der Überschrift 'Wasser für die Tagebaue' zu
Rund 30 Interessierte kamen am 17. März im Cafe Nr 5 zusammen, um sich mit dem Thema Wasser im Rheinischen Revier zu beschäftigen.
Datum:
18. März 2026
Von:
Jonathan Querg

Dirk Jansen (BUND NRW) zeigte zu Beginn eindrücklich, wie stark der Wasserhaushalt der Region bereits verändert wurde. Allein 2023/2024 wurden rund 464,3 Millionen Kubikmeter Grundwasser abgepumpt. Die Folgen reichen weit über die Tagebaue hinaus: Brunnen versiegen, Fließgewässer trocknen aus, Feuchtgebiete müssen technisch stabilisiert werden.

Auch mit Blick auf die geplanten Restseen machte Jansen deutlich, dass zentrale Entscheidungen bereits vor Jahrzehnten getroffen wurden, ohne ernsthafte Prüfung von Alternativen. Für die Befüllung soll unter anderem Rheinwasser über eine Transportleitung in die Region gebracht werden, ein massiver weiterer Eingriff in Natur und Landschaft.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Wasserqualität. Während die RWE Power AG von einer guten Eignung ausgeht, verwies Jansen auf Einschätzungen von Fachbehörden: Nach Schätzungen des Landesumweltamtes Nordrhein-Westfalen befinden sich im Rheinwasser rund 30.000 chemische Stoffe, von denen bislang nur ein Bruchteil in ihrer Wirkung auf Mensch und Umwelt ausreichend erforscht ist. Eine zusätzliche Reinigungsstufe sei daher unumgänglich.

Auch die Kostenfrage wurde thematisiert. Laut Jansen steht im Raum, dass RWE durch die Nutzung von Rheinwasser erhebliche Summen einsparen könnte, unter anderem, wenn kein Wasserentnahmeentgelt gezahlt werden müsse. Ein vom BUND beauftragtes Gutachten komme zu dem Schluss, dass die Flutung Teil der bergrechtlichen Verpflichtungen ist, die Kosten also eindeutig von RWE zu tragen sind. Gleichzeitig bliebe offen, wie langfristige Folgekosten abgesichert würden.

Mit Blick auf die Zeit nach dem Tagebau verwies Jansen zudem auf Risiken wie steigende Grundwasserstände, mögliche Wiedervernässungen, Bergschäden und offene Fragen zur Stabilität und Nutzbarkeit der zukünftigen Seen.

In der Diskussion wurde deutlich: Viele Fragen sind weiterhin offen, während die Befüllung der Tagebaue politisch weitgehend gesetzt ist. Umso wichtiger sind klare Rahmenbedingungen für Wasserqualität, ökologische Standards und Verantwortlichkeiten.

Im Anschluss brachte Andreas Büttgen (Buirer für Buir) eine Perspektive aus der Region ein. Kritisch hinterfragte er unter anderem die Verwendung des Begriffs „Seewerdung“, durch den bestimmte Anforderungen an klassische Seen umgangen werden könnten. Zudem stellte er die langfristige Verantwortung in den Mittelpunkt: Wer ist künftig für Steuerung, Infrastruktur und mögliche Folgekosten zuständig – insbesondere dann, wenn RWE nicht mehr vor Ort ist?

Auch die häufig skizzierten Nutzungsperspektiven der Seen bewertete Büttgen zurückhaltend. Zweifel bestehen insbesondere mit Blick auf die Wasserqualität und die tatsächliche Nutzbarkeit, etwa für Freizeit und Tourismus.

Darüber hinaus verwies er auf den steigenden Wasserbedarf durch neue Entwicklungen in der Region, etwa durch Rechenzentren oder Wasserstofftechnologien. Damit verschärft sich die Frage, wie die Ressource Wasser künftig verteilt wird.

Insgesamt wurde an diesem Abend deutlich:
Viele Fragen rund um das Wasser im Rheinischen Revier sind weiterhin offen, gleichzeitig werden zentrale Entscheidungen bereits heute getroffen. Umso wichtiger ist es, diese Entwicklungen kritisch zu begleiten und die offenen Punkte transparent zu diskutieren.

Ein herzlicher Dank gilt den Referenten Dirk Jansen (BUND NRW) und Andreas Büttgen (Buirer für Buir) für ihre fundierten Einblicke sowie allen Teilnehmenden für das große Interesse und die engagierte Diskussion.

Die Präsentation von Dirk Jansen finden sie unten als Download.

Vortrag 1
Projektionsfolie mit Text zu Langzeitfolgen des Grundwasserspiegels und Tagebaueffekten sowie kleinem Bild eines Tagebaus rechts oben
Gruppe von Männern in legerer Kleidung steht in einem Raum mit Holzmöbeln und einer Stehlampe und unterhält sich